Hidden Distance
Streifzüge durchs Leben kurz notiert...
Ursprünglich eingerichtet für einen Auslandsaufenthalt in Korea, ist diese Seite nun zu meinem erweiterten „Gedächtnis” geworden, welches alle Informationen speichert, die ich interessant finde.
29. August 2005

KUBA & Betreuung

Ich möchte an dieser Stelle ganz besonders Jin & Jiye (KUBA) sowie Jeff (Intl. Office) und all den anderen danken, die eine wirklich solide Betreuung für uns arrangiert haben.

Am Montag dem ersten Tag, wurden wir um Punkt 10 Uhr in das zentrale Auditorium der International Studies Hall geladen. Der Raum entspricht den Ausmaßen, die wir ungefähr im H16 (300 Leute +/- 50 Personen) haben. Natürlich auch alle tiptop neu und wunderbar ausgestattet. Vor der Tür wurden wir anhand von Namenslisten in etwa 10 Gruppen zu je 8 Personen aufgeteilt. Jeder erhielt nochmal eine Mappe mit den grundlegenden Infos zur Uni. Anschließend wurden wir unseren Group-Leadern vorgestellt. Es gab ne zentrale Powerpoint Präsentation mit den wichtigsten Fakten über KU und die Programmplanung für die nächsten Tage. Diese umfasste neben einen Ausflug nach Seoul, die Registrierung zur KU-ID Card, Campus-Tour, KU Computer System Intro, Party, Class Registration, usw.
Der wirkliche Hammer ist aber das KUBA Programm, KUBA steht für KU Buddy Assistance, kurz man bekommt eigenen KU Studenten zur Seite gestellt, der einem bei allem möglichen hilft. Angefangen bei der Suche nach einer Bank, beim Kauf eines Handys. Außerdem sollen die Buddys mit ihren Austauschstudenten zum feiern, zum Mittagessen, usw weiter gehen. Die Leute, die bei KUBA mitmachen sprechen alle gutes Englisch oder eben die Muttersprache (Deutsch, Japanisch, Chinesisch, …) Anscheinend ist es auch gar nicht so einfach Buddy zu werden, weil man durch mehrere Auswahlschritte durch muss. Sollte mal was nicht klappen darf man aber jeden Buddy fragen und bisher haben alle so gut geholfen, wie sie konnten! Irgendwie muss man sich bei dieser (Über-)Betreuung schon schlecht fühlen, wenn man sieht, dass die koreanische KU Studenten in Deutschland nicht mal annähernd soviel Hilfe bekommen haben…

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28. August 2005

Korea University (KU) & i-House (iH)

Hammer! Eigentlich gibt es kein Wort, was wirklich die Situation an der KU beschreiben könnte. Warum? Man könnte stundenlang erzählen was diese Universität wirklich ausmacht, aber ich fange mal bei den weniger spektakulären Fakten an. Die Uni ist in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden und zählt somit zu einer der traditionsreichsten Unis Südkoreas. Der Campus hat in etwa die dreifache Größe des Regensburger Campus und man braucht zu Fuß gute 40 Minuten von einem Ende zum anderen. Damit man diese Strecken auch einigermaßen schnell zurücklegen kann, gibt es
a) einen kostenlosen Shuttlebus-Service der im 10 Minutentakt fährt und
b) kann man mit der U-Bahn vom Science-Campus (Anam Station) zur Korea University Station fahren.
Wir sind hier etwa 200 Austauschstudenten, die zwischen einem und zwei Semestern in Korea bleiben wollen. Die Studenten, die über das KUSEP (KU Student Exchange Programm) nach Korea gekommen sind müssen keine Studiengebühren in Höhe von ca. 3000 Euro im Semester abdrücken. Das einzige wofür wir zahlen ist die Unterkunft und das alltägliche Leben (Essen, Trinken, etc). Die Korea University ist eine private Universität und inzwischen ähnlich organisiert, wie die großen US-Unis.

Bauliche Situation?

Die Uni an sich glänzt wie eine Firmenzentrale. Sämtliche älteren Gebäude sehen in etwa so aus, wie alte schottische Burgen, bloß als ob sie gerade eben neu gebaut worden wären. Die neuen Gebäude versuchen sich an dem Stil zu orientieren, sind aber wesentlich eleganter in der Fassade und innen sehr modern ausgestattet. Die Aussenanlagen entsprechen etwa dem, was wir in einem super gepflegten englischen Garten erwarten würden. Auf ideale Länge gestutzter Rasen, der wohl täglich gedüngt und gegossen wird; sogar zwei in der Farbe unterschiedliche Graßsorten wurden eingesetzt um vertikale Streifenmuster in etwa ein Meter breitem Abstand zu erzeugen. Zentral ist ein kleiner Brunnen und ein Wasserspiel, darum herum gruppieren sich Bäume mit Sitzgelegenheiten. Man kommt sich bisschen wie im Privatgarten eines Millionärs vor. Die Wege sind entweder frisch geteert oder aus exakt quadratischen Steinbodenplatten. Geht man weiter in die Gebäude hinein, jetzt mal speziel das unterirdische Lern- und Shoppingzentrum, dann glänzt alles aus Stahl, Glas, Holz und poliertem Stein. Es gibt einen Fastfoodladen, ein Supermarkt, einen Schreibwarenladen und diverse große Bib-ähnliche Räume, wo man elektronisch seinen Platz reservieren kann. Geht man weiter in das LG-Posco Building, dass die KUBS (KU Business School) beherbergt, wird man durch noch tollere Innenausstattung verwöhnt. Überall gläserne Aufzüge oder Rolltreppen. In irgendeiner Form sportlich betätigen muss man sich also nicht. Die Klassenzimmer - ich nenne sie absichtlich so - sind schon allein wegen ihrer Größe keine “Hörsäle”. Die Aufteilung ist in etwa überall ähnlich. Ungefähr 30-50 Sitzplätze, alle mit ziemlich bequemen Stühlen ausgestattet. Na ja, ich glaub ein Bild sagt hier mehr als 1000 Worte.

Finanzierung?

Nun, wer hat das denn alles finanziert? Die KU ist sehr stark darin Spenden einzutreiben und die beiden großen Firmen LG (Elektronik, Mischkonzern) und POSCO (Stahlverarbeitung) haben für dieses Gebäude jeweils 20 Millionen USD gespendet - wenn ich das nicht falsch verstanden habe. Der Rest kam aus Mitteln, die Privatpersonen, Professoren(!) und andere Unternehmen zur Verfügung gestellt haben. Einen kleinen Rest trug dann die Uni selbst.

Ähnlich finanziert ist auch das internationale Wohnheim. Kurz CJ i-House genannt. CJ ist ein sehr bekannter Nahrungsmittelhersteller (ähnlich wie bspw. Nestle oder Danone nur sehr viel kleiner) in Korea. Das Wohnheim wurde erst zum Sommersemester eröffnet und ist folglich noch nicht voll ausgelastet. Insgesamt ist es in zwei Teile getrennt: Ein Teil für Studenten, einer für Professoren. Die Eingangshalle darf man durchaus protzig nennen, für ein Studentenwohnheim. Naja, eigentlich ist es mehr ein Hotel. Es gibt eine 24/7 besetzte Rezeption. Es gibt eine Cafeteria mit “Continental Breakfast” (zumindest, was sich Koreaner darunter vorstellen), ein Fitnessstudio (vollausgestattet, mit allen Feinheiten und die neuesten Geräte), zwei Musikzimmer, eines mit Klavier, einen Waschraum mit Industrietrocknern und Waschmaschinen, ein TV-Zimmer mit DVD und Dolby 5.1 Surround Sound Anlage samt X-Large Plasma Fernseher. Um in die Zimmer zu gelangen wurden zwei Aufzüge eingebaut und in jedem Stockwerk befinden sich Konferenzzimmer, die man zum Lernen benützen kann. Die Zimmer selbst kann man sich nach belieben aussuchen. Entweder Einzelzimmer in Double, Triple oder Quad Rooms oder Doppelzimmer in Triple oder Quad Rooms. Doppelzimmer heißt dabei, dass man einen netten Zimmergenossen hat, der im gleichen Zimmer auch sein Bett stehen hat. Die Zimmer haben eine eigene Dusche, ein eigenes WC und sind relativ groß geraten. Die Einzelzimmer hingegen sind wesentlich kleiner als z.B. mein Regensburger Zimmer im Gesslerheim. Zu den KU Fotos. Zu den i-House Fotos

Permalink — Kategorie: Fotos · Korea · Uni — Hirschi @ 7:55 — Kommentare (0)
24. August 2005

The Sky

Eine kurze Anmerkung zu den Top-Unis in Korea. The Sky steht umgangssprachlich für die drei Elite-Universitäten des Landes: Seoul University, Yonsei University, Korea University.

Wie komme ich auf eine Uni?

Nach dem Ende der High School, gibt es einen separaten Eignungstest für den Eintritt in die Universität. Diese Prüfung ist eigentlich die entscheidende Weiche für das gesamte kommende Leben eines Koreaners. Die bisher erbrachten schulischen Leistungen zählen hingegen relativ wenig, wenn man auf eine Top-Uni will. Das soll aber nun nicht heißen, dass koreanische Schüler in der Schule nichts tun - ganz im Gegenteil: Da eben diese eine Prüfung entscheidend ist, schicken viele koreanische Eltern ihre Kinder auf sündhaft teure Nachhilfeschulen (학원 ausgesprochen: Hagwon). Der Tagesablauf eines Oberstufenschülers: Schule ab 7 oder 8 Uhr, bis etwa 15-17 Uhr; anschließend, wenn möglich, kurz nach Hause, dann in die Nachhilfeschule und dann noch fleißig bis tief in die Nacht hinein lernen. Was wir in Deutschland als freien Nachmittag haben, existiert in Südkorea eigentlich überhaupt nicht.
Dieser Test findet nur einmal jährlich statt und an dem Tag dürfen fast alle Angestellten / Arbeiter eine Stunde später zur Arbeit erscheinen. So soll verhindert werden, dass Studenten durch den allmorgendlichen Verkehrsstau zu spät kommen. Das prickelnde ist, dass hierbei am gleichen Tag nicht nur eine Teildisziplin abgefragt wird, sondern alle möglichen: Angefangen bei Mathematik bis hin zu Englisch. Stellt euch einfach mal vor, sämtliche Abiprüfungen würden an nur einem Tag stattfinden. Spannend, oder :-)

Welche Uni?

Hat man nun bei dieser Prüfung, bei der es etwa 400 Punkte gibt mindestens 380 oder mehr, darf man auf die Ultra-Elite-Unis (KAIST, Seoul University) liegt man darunter, aber trotzdem noch über 350, darf man die Super-Elite-Unis (Korea & Yonsei University). Nun, diese Zahlen sind vorsichtig geschätzt, da ich die exakten Werte nicht kenne, aber es dürfte gut an die Realität rankommen. Wer nun unter 350 Punkte hat, hat “verloren”. Es gibt auch andere Unis, aber die Selbstmordrate unter den Schülern, die nicht den Eintritt in ihre gewünschte Uni geschafft haben liegt für westliche Maßstäbe extraorbitant hoch… Eine weiterer Faktor ist die sehr hohe Erwartungshaltung der Eltern, die im Schnitt 20% des Familieneinkommens in die Ausbildung der Kinder stecken. Folglich steigt der Druck und auch die Gesellschaft legt sehr viel Wert auf eine gute Ausbildung (umfasst auch musikalische Bildung, die nochmals erheblich teurer ist). Zum Vergleich: das deutsche Durchschnittsmonatseinkommen liegt bei netto 2000 Euro, davon wandern dann einfach mal 400 Euro in die Schulausbildung. Da sieht man erst mal die unterschiedliche Wertschätzung von Bildung zwischen “West” und “Ost”.

Zeit?

Die Begriffe Alter, Ehre und öffentliches Ansehen sind in Korea sehr stark verwurzelt und haben auch untereinander eine enge Bindung. Wer auf eine Top-Uni geht, ist in der Gesellschaft automatisch angesehen und darf sich höhergestellt fühlen. Ältere Personen stehen in der sozialen Hierarchie über der eigenen Person. Dies äußert sich durch veränderte Grammatikstrukturen bei der Anrede, beim normalen Sprechen und bei diversen Handlungen des alltäglichen Lebens. Professoren (교수님 ausgesprochen: Gyosunim) und Lehrer (선생님 ausgesprochen: Sonsengnim) muss man mit äußerstem Respekt behandeln und Eltern würden es nur in ganz seltenen Fällen wagen dem Lehrer zu sagen, dass er etwas falsch gemacht hat. Die Situation in Deutschland ist bekanntlich anders. Da wird den Lehrern von Unfähigkeit bis hin zum “faulen Sack” alles vorgeworfen. In Südkorea absolut undenkbar.

Permalink — Kategorie: Korea · Uni — Hirschi @ 3:33 — Kommentare (0)
23. August 2005

Incheon International Airport (ICN)

Nach meiner Ankunft am Flughafen musste ich feststellen, dass sich nicht sehr viel seit meinem letzten Besuch vor etwa 3½ Jahren verändert hat. Damals wurde der Flughafen gerade neu eröffnet und man konnte noch den ein oder anderen verpackten Teppich herumliegen sehen. Der Flughafen an sich gehört sicherlich zu den modernsten der Welt und wird auch von der IATA als zweitbester Flughafen der Welt eingeschätzt. Verglichen mit dem nur mittelmäßigen Frankfurter Flughafen ist das Urteil gerechtfertigt, aber mir als normaler Passagier fällt auf Anhieb kein wirkliches Besserstellungsmerkmal zum Münchner Flughafen ein - v.a. zum neuen Terminal 2. Eines muss man den Koreanern aber lassen, wenn sie große Pläne haben, dann haben die auch meist Hand und Fuß. Der Flughafen wird in seiner Endausbaustufe im Jahr 2020 gute 100 Millionen Passagiere pro Jahr zu ihren jeweiligen Zielen bringen können und bisher hat der Flughafen mehr als 5 Milliarden Dollar gekostet. Na, dass sind mal Zahlen… Man merkt das vor allem, wenn man die Größe der Eingangshalle und der jeweiligen Verbindungswege mit den erwarteten Zahlen in Verbindung setzt. Die paar Leute, die dort im Moment gehen, wenn mal zwei Flugzeuge zeitgleich die “Schleusen” öffnen, sind wohl ein Klacks, wenn in 15 Jahren dort einige 1000 hin- und herströmen werden. Bei mir steigen auch leichte Zweifel auf, ob im Moment ICN auch nur annähernd gewinnbringend betrieben werden kann. Die Auslastung war zumindest an einem Montagnachmittag nur sehr dürftig. Da geht’s in München anders zu…
Was ich nicht richtig belegen konnte, aber vieles deutet darauf hin, ist, dass ein großer Teil des Flughafens auf einer extra im Meer aufgeschütteten Insel befindet, die durch wirklich riesige Dämme vor eventuellen Fluten geschützt ist.

Permalink — Kategorie: Fotos · Korea · Wirtschaft — Hirschi @ 10:36 — Kommentare (0)