Uni, Teil 2
Kurz noch was zu meinen Vorlesungen: Unter anderem auch deshalb, weil ich nicht zwingend Noten in Deutschland einbringen muss, habe ich mich dazu entschieden aus der kompletten Bandbreite der Fächer auszuwählen. Wenn man gutes Koreanisch vorweisen kann, darf man auch in die koreanischen Kurse. Sonst bleibt man in den Englischen. Das Kursangebot reicht von “School of Engineering” bis hin zur Medical School”. Man ist dabei nicht auf die “Undergraduate”-Auswahl festgenagelt, sondern darf auch in die “Gradutate”-Kurse. Leider ist dort aber die Auswahl an englischsprachigen Fächern nur sehr limitiert. Meine Vorlesungen sind deshalb in diesem Semester alle aus dem UG-Bereich.
Kurze Anmerkung vielleicht noch: mich beschleicht manchmal das Gefühl, dass Marketing im Grundstudium allgemein nur das Verzapfen von Binsenweisheiten ist… [Ironie?! ;-)]
Es ist spannend, wie der Professor versucht einige Konzepte auf das eigene, private Leben zu richten. Hat bisschen was von diesen Persönlichkeitsseminaren, wenn man anstatt eines “corporate vision statements” ein persönliches “vision statemant” entwerfen muss. Ist zwar auch nicht ganz so neu, war aber doch mal ne gute Abwechslung, die Ziele der koreanischen Kommilitonen zu hören. Insgesamt muss man für diesen Kurs doch ziemlich viel leisten und als regelmäßiger Leser des Rekiss.de Forums mache ich mir da doch Sorgen, wenn sich so manche Studenten über den Anspruch von Professor Dowling mokieren. Es ist zwar ein anderer Ansatz, aber in meinen Augen, viel versprechender als bisherige Art mit “echten” Vorlesungen und Übungen…
Essen
Also was gibt es bei mir morgens mittags und abends zu essen?! Das Frühstück lass ich meistens ausfallen, wie eigentlich in Deutschland auch. Muss ich aber trotzdem mal früh an die Uni, dann gibt?s Continental Breakfast. Das besteht zumeist aus einer Schüssel Cornflakes als Vorspeise, anschließend eine Scheibe Toast mit Marmelade und dann ein Teller mit Würstchen / Speck, Eiern, Reis und diversen anderen warmen Beilagen. Abgerundet wird das ganze dann noch mit Früchten. Ich wähle dabei meistens zwischen Äpfeln, Kiwi, Trauben, Melonen und Bananen aus. Dazu trinke ich gerne grünen Tee und ein Glas Fruchtsaft. Leider hat das Frühstück in letzter Zeit qualitativ stark abgenommen. Anfangs wurden wir noch durch leckere Honigmelonen und Scampi verwöhnt. Inzwischen ist es ?nur? noch englischer Speck und Trauben. Mich würde das ja nicht stören, wenn der Preis zeitgleich auch proportional gesenkt worden wäre… In der Ferienzeit zahlten wir nur 3500 Won (2,70 Euro) pro Essen, jetzt sind es 4500 Won (3,50 Euro). Verglichen mit dem anderen Essen, das man in der Nähe der Uni kaufen kann trotzdem noch teuer.
Da ich mittags immer ne Pause habe, kann ich mit einigen Freunden zum essen gehen. Bevorzugt gibt?s irgendwas günstiges, wie zum Beispiel Manduguk oder ähnliches. Das Konzept ist dabei fast immer gleich: In der Mitte des Tisches steht die Hauptspeise und außen herum einige kleine Tellerchen mit Beilagen. Ich fange mal mit den Beilagen an. Häufig sind das scharfe oder würzige Speisen wie zum Beispiel Kimchi. Kimchi existiert wohl in einigen 100 verschiedenen Sorten, von eingelegten Blättern, bis hin zum bekannten Chinakohl-Kimchi. Daneben viel eingelegtes Gemüse und andere Schälchen mit Soßen oder Gewürzen.
Zu meinen Lieblingsspeisen gehören Sangyeopsal, Galbi, Bulgogi, Kalguksu, ShabuShabu. Leider sind die allesamt nicht ganz so billig und ein ganzes ?Mittagsmenü? schlägt oft mit etwa 5000 - 7000 Won (4,00 - 5,50 Euro) zu Buche. Viel günstiger ist es, wenn man wie oben beschrieben Manduguk oder andere suppenähnliche Gerichte bestellt. Da isst man, wenn drei oder vier Freunde mitgehen, selten über 4000 Won (3 Euro). Ungewohnt, wenngleich nicht unangenehm: Es gibt immer kostenlos Wasser dazu und gelegentlich bekommt auch Sprite oder Cola kostenlos dazu. Die Rolle Toilettenpapier am Tisch sehe ich immer seltener, bis jetzt nur zweimal. Stattdessen stehen kleine Behälter am Tisch, in denen Servietten zum herausziehen drin sind.
Essen gehen zählt in Korea zu den wohl wichtigsten Gemeinschaftsveranstaltungen und es gilt generell als unhöflich, wenn man nach einem Treffen nicht zum gemeinsamen Essen erscheint. Da ich sowieso gerne gut esse, ist das ja kein Problem für mich
Abends geht’s entweder erneut mit einigen Leuten zum essen, oder ich besorge mir auf dem Weg einen Snack, wenn ich abends beschäftigt bin. Der beliebteste Snack ist Kimbap. Das ist in Seetang gerollter Reis mit Fleisch und Ei. Je nach Auswahl, kann man sich in den Reis noch weitere Sachen einrollen lassen (mein persönlicher Favorit ist Thunfisch). Andere Snacks sind Toast (Isaac - zwei Toasthälften, mit süßer Sauce und wahlweise belegt), Burger (ähnlich wie bei McDonalds, nur dass das Fleisch zehnmal besser schmeckt und viel mehr frischer Salat drauf kommt; die zwei Saucen schmecken auch besser und man wird satt) oder koreanisches FastFood. Der Preis dafür liegt bei etwa 1000 Won (0,80 Euro).
Anfangs hatte ich doch einige Probleme mit dem zum Teil sehr scharfen Essen. Aber mit der Zeit reagieren die Geschmacksnerven nicht mehr auf den Reiz und man stumpft natürlich ab. Das Schlüsselereignis war bei mir Bultag (scharfes Hähnchen). Das hat bei mir endgültig alle übrig gebliebenen Geschmacksnerven abgetötet, die mit scharfen Geschmack assoziiert waren
Ich möchte auf diesem Weg auch alle Vegetarier etwas vorwarnen. Wer strikt darauf achtet sich fleischlos zu ernähren kann enorme Schwierigkeiten haben. Die meisten, für Europäer, sehr schmackhaften Gerichte enthalten Fleisch und so was wie gedünstetes Gemüse als Hauptgericht findet man nur selten. Auf jeden Fall ist eine mit der koreanischen Esskultur vertraute Person sehr hilfreich. Noch besser, wenn der- oder diejenige fließend koreanisch spricht. Sonst würde ich die nicht ganz günstigen FoodCourts in den großen Kaufhäusern empfehlen. Andere Fälle: Allergien gegen Fisch und sonstiges Meeresgetier oder persönliche Abneigung gegenüber scharfen Speisen. Beides schließt einen nahezu automatisch von einem nicht ganz unbeträchtlichen Teil der landestypischen Küche aus. Wer aber mit Neugier und nur etwas Entdeckungswillen ausgestattet ist, kann sich in einer ganz neuen Welt bewegen.
Stundenplan

Ich weiß es hat ziemlich lange gedauert, bis hier mal wieder was Neues steht… dafür kommt es aber auch gleich mit einem Schwung anderer Nachrichten. Zuerst etwas zu meinem normalen Tagesablauf, nachdem etwas Ruhe in mein Leben eingekehrt ist. Montag und Dienstag sind meine beiden Tage, an denen ich immer ziemlich geschafft aus der Uni komme. Auch wenn der Montagvormittag meist damit verbracht wird an der CJ i-House Rezeption zu lernen, muss ich am Nachmittag doch beide Koreanisch Kurse hinter mich bringen. Der erste ist eigentlich immer ziemlich lustig und Langeweile kommt nur selten auf. Dafür ist aber der zweite Kurs um den Faktor 100 anstrengender weil unlustiger. Man kann das auf mehrere Faktoren zurückführen: Die Stimme der Lehrerin tendiert dazu ziemlich nervig zu sein, die Kursinhalte wiederholen sich mit meinem ersten Koreanischkurs davor und die Schüler sind entweder hoffnungslos übermotiviert oder genervt von den übermotivierten Chinesen. Da ich entweder die meisten Vokabeln schon kenne und die Übungen häufig in einem Chaos enden, falle ich regelmäßig in einen tiefen Schlaf mit halb geöffneten Augen, in der Hoffung dass irgendetwas Lustiges passiert. Ich würde ja mehr machen, wenn ich gefordert wäre, aber das ist nicht der Fall und selbst ohne Vorbereitung schaffe ich 98 von 100 möglichen Punkten…
Zurück zu meinem ersten Koreanischkurs, in dem kein “Westlicher” sitzt. Von den etwa 20 Studenten sind 16 Chinesen, 2 Japanerinnen, ich und Lim (mein Banknachbar und Amerikaner, aber mit kambodschanischen Wurzeln) Die Chinesen lernen wie verrückt und haben zumeist schon ziemlich weit reichende Kenntnisse im Koreanischen. Die Lehrerin ist super nett und der Unterricht macht auch ziemlich viel Spaß obwohl ich nahezu alles schon kenne. Ich sehe das eher als Wiederholungsstunde an, in der ich mein schwaches Koreanischfundament nochmals fester zementieren kann. Ich glaube es macht einfach Lust auf mehr, weil die Stimmung innerhalb der Klasse ziemlich gut ist. Hoffentlich bleibt das auch im nächsten Semester so…
Verglichen mit dem, was wir so lernen, ist das Training an der Yonsei wesentlich intensiver… in manchen Stunden lernen wir geschlagene 75 Minuten lang, wie die verschiedenen Auslaute (ㅇ, ㄴ, ㅁ) zu unterscheiden sind. Anderntags wird ausgiebig das Gelernte wiederholt und mit neuem Grammatikstoff versetzt. Das ist zwar nicht schlecht, aber ich wünsche mir, dass es doch nen Tick schneller von statten geht. 75 Minuten Aussprache von Auslauten war dann doch etwas zuviel des Guten… fanden auch einige der lerngierigen Chinesen.
Ach ja, ich hab da noch andere Kurse, zum Beispiel: Advertising Management in “Englisch für Anfänger 1A”. Der Kurs ist glaub ich sogar unter dem Niveau von dem was man in der Grundstudiumsvorlesung Marketing in Regensburg geboten bekommt. Der Kursinhalt ist eine Powerpoint-Orgie, und ähnelt in weiten Teilen einer Präsentation von Statistiken, Unternehmenswebsites und wild zusammen geschachtelten Konzeptideen. Mich wundert es, dass die koreanischen Studenten noch nicht über dieses Fach meckern. Wahrscheinlich weil die Noten “einfach” zu ergattern sind. Einzig das Buch ist einigermaßen lesenswert und erinnerte mich stark an eine ausgebaute Version unseres Marketingskripts in Regensburg.
Anders das Fach Strategic Management. Hier wird man doch etwas mehr gefordert und gefördert. Der Professor hat langjährige Unterrichtspraxis in den USA gesammelt und entsprechend ist auch sein sprachliches Niveau. Wesentliche Unterschiede zu meiner deutschen Uni: Wir sind hier oft in Vorlesungen mit maximal 50 Teilnehmern. In meinen Kursen bewegt sich der Schnitt um die 30 Studenten. Meist sitzt neben dem Prof noch ein Assistent in der Vorlesung. Das Ganze ist weniger eine Vorlesung und mehr eine Unterrichtsstunde in einer gymnasialen Oberstufe. Es wird Anwesendheit gecheckt und wer mehr als 4-mal fehlt, darf sich über ein F in seinem Abschlusspaper freuen. Ach ja, zweimaliges Zuspätkommen wird als einmal gefehlt vermerkt. Es wird stark empfohlen die Bücher zu lesen in Strategy gibt es sogar einen fixen Plan was bis wann gelesen sein muss. Über den Inhalt werden dann auch unangesagt bewertete Quizzes geschrieben. Zusätzlich darf man zwei von vier Fallstudien mit einseitigen Berichten abhandeln und zum Schluss noch ein Buch lesen und zwei kurze “Reviews” schreiben. Die Beteilingung am Unterricht wird ganz nebenbei auch bewertet. In der Stunde wird meist diskutiert über den Buchinhalt oder die Fallstudien - man kennt ja den Inhalt des Buchs schon…
So aus Lust und Laune habe ich mich noch nen Junior / Senior Kurs aus der Life-Science-Fakultät herausgesucht. Ich wollte einfach mal auch was anderes angucken und der Kurs hat mir von der ersten Stunde an gefallen auch wenn der Arbeitsaufwand im Vergleich zu Strategic Managment quasi verdoppelt oder verdreifacht wurde. Zum einen durfte ich schnell nochmal die Grundlagen aus der Kollegstufen-Biologie in Sachen Genetik wiederholen und auch einen Einblick in Zellbiologie erhaschen. Zudem sollte man mit Biochemie nicht gerade auf Kriegsfuss stehen. Nun ja, das Englisch der Professorin ist außerordentlich gut und auch die Inhalte sind ziemlich interessant. Wer den Arbeitsaufwand nicht scheut: Der Kurs hats in sich! Man lernt unglaublich viel in kurzer Zeit und versteht später auch, wieso nun der Köper, speziell der Kopf so tickt und nicht anders ![]()
[Edit: Der Kurs war für alle Studenten gedacht, die von dem Thema zum ersten Mal was hören. Entsprechend sanft war der Einstieg, aber dann ging es sehr steil bergauf...]