Hidden Distance
Streifzüge durchs Leben kurz notiert...
Ursprünglich eingerichtet für einen Auslandsaufenthalt in Südkorea, ist diese Seite nun mein Notizblock für alle interessanten Informationen geworden » Index.
27. November 2005

Stundenplan

Tagesablauf… Arbeit & Koreanisch Kurse

stundenplan

Ich weiß es hat ziemlich lange gedauert, bis hier mal wieder was Neues steht… dafür kommt es aber auch gleich mit einem Schwung anderer Nachrichten. Zuerst etwas zu meinem normalen Tagesablauf, nachdem etwas Ruhe in mein Leben eingekehrt ist. Montag und Dienstag sind meine beiden Tage, an denen ich immer ziemlich geschafft aus der Uni komme. Auch wenn der Montagvormittag meist damit verbracht wird an der CJ i-House Rezeption zu lernen, muss ich am Nachmittag doch beide Koreanisch Kurse hinter mich bringen. Der erste ist eigentlich immer ziemlich lustig und Langeweile kommt nur selten auf. Dafür ist aber der zweite Kurs um den Faktor 100 anstrengender weil unlustiger. Man kann das auf mehrere Faktoren zurückführen: Die Stimme der Lehrerin tendiert dazu ziemlich nervig zu sein, die Kursinhalte wiederholen sich mit meinem ersten Koreanischkurs davor und die Schüler sind entweder hoffnungslos übermotiviert oder genervt von den übermotivierten Chinesen. Da ich entweder die meisten Vokabeln schon kenne und die Übungen häufig in einem Chaos enden, falle ich regelmäßig in einen tiefen Schlaf mit halb geöffneten Augen, in der Hoffung dass irgendetwas Lustiges passiert. Ich würde ja mehr machen, wenn ich gefordert wäre, aber das ist nicht der Fall und selbst ohne Vorbereitung schaffe ich 98 von 100 möglichen Punkten…

Zurück zu meinem ersten Koreanischkurs, in dem kein “Westlicher” sitzt. Von den etwa 20 Studenten sind 16 Chinesen, 2 Japanerinnen, ich und Lim (mein Banknachbar und Amerikaner, aber mit kambodschanischen Wurzeln) Die Chinesen lernen wie verrückt und haben zumeist schon ziemlich weit reichende Kenntnisse im Koreanischen. Die Lehrerin ist super nett und der Unterricht macht auch ziemlich viel Spaß obwohl ich nahezu alles schon kenne. Ich sehe das eher als Wiederholungsstunde an, in der ich mein schwaches Koreanischfundament nochmals fester zementieren kann. Ich glaube es macht einfach Lust auf mehr, weil die Stimmung innerhalb der Klasse ziemlich gut ist. Hoffentlich bleibt das auch im nächsten Semester so…
Verglichen mit dem, was wir so lernen, ist das Training an der Yonsei wesentlich intensiver… in manchen Stunden lernen wir geschlagene 75 Minuten lang, wie die verschiedenen Auslaute (ㅇ, ㄴ, ㅁ) zu unterscheiden sind. Anderntags wird ausgiebig das Gelernte wiederholt und mit neuem Grammatikstoff versetzt. Das ist zwar nicht schlecht, aber ich wünsche mir, dass es doch nen Tick schneller von statten geht. 75 Minuten Aussprache von Auslauten war dann doch etwas zuviel des Guten… fanden auch einige der lerngierigen Chinesen.

Advertising Management?

Ach ja, ich hab da noch andere Kurse, zum Beispiel: Advertising Management in “Englisch für Anfänger 1A”. Der Kurs ist glaub ich sogar unter dem Niveau von dem was man in der Grundstudiumsvorlesung Marketing in Regensburg geboten bekommt. Der Kursinhalt ist eine Powerpoint-Orgie, und ähnelt in weiten Teilen einer Präsentation von Statistiken, Unternehmenswebsites und wild zusammen geschachtelten Konzeptideen. Mich wundert es, dass die koreanischen Studenten noch nicht über dieses Fach meckern. Wahrscheinlich weil die Noten “einfach” zu ergattern sind. Einzig das Buch ist einigermaßen lesenswert und erinnerte mich stark an eine ausgebaute Version unseres Marketingskripts in Regensburg.

Strategic Management & Unterschiede zu dt. Unis

Anders das Fach Strategic Management. Hier wird man doch etwas mehr gefordert und gefördert. Der Professor hat langjährige Unterrichtspraxis in den USA gesammelt und entsprechend ist auch sein sprachliches Niveau. Wesentliche Unterschiede zu meiner deutschen Uni: Wir sind hier oft in Vorlesungen mit maximal 50 Teilnehmern. In meinen Kursen bewegt sich der Schnitt um die 30 Studenten. Meist sitzt neben dem Prof noch ein Assistent in der Vorlesung. Das Ganze ist weniger eine Vorlesung und mehr eine Unterrichtsstunde in einer gymnasialen Oberstufe. Es wird Anwesendheit gecheckt und wer mehr als 4-mal fehlt, darf sich über ein F in seinem Abschlusspaper freuen. Ach ja, zweimaliges Zuspätkommen wird als einmal gefehlt vermerkt. Es wird stark empfohlen die Bücher zu lesen in Strategy gibt es sogar einen fixen Plan was bis wann gelesen sein muss. Über den Inhalt werden dann auch unangesagt bewertete Quizzes geschrieben. Zusätzlich darf man zwei von vier Fallstudien mit einseitigen Berichten abhandeln und zum Schluss noch ein Buch lesen und zwei kurze “Reviews” schreiben. Die Beteilingung am Unterricht wird ganz nebenbei auch bewertet. In der Stunde wird meist diskutiert über den Buchinhalt oder die Fallstudien – man kennt ja den Inhalt des Buchs schon…

Neurobiology?

So aus Lust und Laune habe ich mich noch nen Junior / Senior Kurs aus der Life-Science-Fakultät herausgesucht. Ich wollte einfach mal auch was anderes angucken und der Kurs hat mir von der ersten Stunde an gefallen auch wenn der Arbeitsaufwand im Vergleich zu Strategic Managment quasi verdoppelt oder verdreifacht wurde. Zum einen durfte ich schnell nochmal die Grundlagen aus der Kollegstufen-Biologie in Sachen Genetik wiederholen und auch einen Einblick in Zellbiologie erhaschen. Zudem sollte man mit Biochemie nicht gerade auf Kriegsfuss stehen. Nun ja, das Englisch der Professorin ist außerordentlich gut und auch die Inhalte sind ziemlich interessant. Wer den Arbeitsaufwand nicht scheut: Der Kurs hats in sich! Man lernt unglaublich viel in kurzer Zeit und versteht später auch, wieso nun der Köper, speziell der Kopf so tickt und nicht anders ;-)
[Edit: Der Kurs war für alle Studenten gedacht, die von dem Thema zum ersten Mal was hören. Entsprechend sanft war der Einstieg, aber dann ging es sehr steil bergauf...]

Permalink — Kategorie: Korea · Uni — Hirschi @ 6:00 — Kommentare (0)

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