Bis vor kurzem ist es mir nicht aufgefallen — erst bei der Montage von Vorder- und Rückseite in ein Bild ist mir diese kleine stilistische Feinheit ins Auge gesprungen. Der Apostroph bei „Let’s” ist im koreanischen um ein Zeichen nach hinten verschoben: 레쓰'. Außerdem hat man das „t” geschickt unter den Tisch fallen lassen, so dass im Prinzip eine korrekte Schreibweise nicht möglich ist. Ausgesprochen wurde aus dem englischen „Let’s be” ein konglisches1 „less’be“.
Die nächsten Tage folgt der große Blechdosen-Kaffee-Vergleich. Den Anfang macht die blaue Büchse.
Geschmack: Uhhhh, sehr typische Eigenschaft… warum hab ich nur das Gefühl, dass ich mir gerade eher einen aufgelösten Klumpen Blech in den Magen pumpe? Diese Dosen sind vielleicht doch nicht das ideale Gefäß für Kaffee. Ach und viel zu viel Milch. Mal wieder: Starbucks lässt Grüßen. Das “Mild Coffee” sollte man übrigens ernst nehmen: Mit Aroma versetztes hellbraunes Wasser: 1/10 H-Milch, 1/10 leichter Kaffee und 8/10 pures Wasser.
Bewertung: 2 von 5 Punkten
Aber was tut man nicht alles für einen Schuss Koffein am Morgen?!
1. Konglisch = Koreanisches Englisch.
Im oberen Segment setzt sich der Sunkist Orangensaft an: Glasflasche und 750 Won.
Interessant finde ich, wie die Produktdesigner zwischen Hangul und englischer Sprache wechseln. Sunkist als Markenname bleibt unverändert, die nähere Definition als “Premium Family Orange Juice” ist in Koreanisch geschrieben. Auf der Rückseite wesentlich kleiner dann genau vice versa. Sunkist wird in Korea übrigens von 해태 lizenziert und vertrieben – mal kein Lotte Chilsung Getränk…
Zum Getränk: Kein Fruchtfleisch. Mild säuerlich. Sehr „flüssig“, zu verwässertes Orangen-Aroma. Angenehm süß.
Bewertung: 2 von 5 Punkten.
Zu verwässerter Orangengeschmack, dafür nicht zu sauer. Nicht mein Fall.
한뿌리 übersetzt man am besten mit „koreanische Wurzel“.
Die auf dem Getränk abgebildete Wurzel ist Ginseng. Ich würde es daher auch eher als Nahrungsergänzungsmittel einstufen und nicht als typisches Getränk für den spontanen Durst. Würde auch leicht den Geldbeutel sprengen, denn die 120ml schlagen mit etwa 3000 Won zu Buche. Ein Liter würde somit knapp 25.000 Won (15 Euro) kosten.
Ohne das Getränk zu öffnen riecht man schon am Deckel den typischen Ginseng (kor. Insam) Geruch: Eine eigenartige Mischung aus Haselnuss und frischer Erde würde ich sagen.
Die Farbe und Konsistenz ähnelt der von Milch. Nur noch ein wenig flüssiger, ohne Fett und eine leicht bräunliche Färbung. Leicht herb schmeckt es wie geriebene Haselnuss in Wasser aufgelöst. Achtung: Sehr hartnäckiger Nachgeschmack. Bleibt mindestens noch fünf Minuten im Mund und uns selbst nach einer Stunde und einer kleinen Mahlzeit können Dritte den Geruch wahrnehmen! Eine süße Note schwingt übrigens beim Aroma auch noch mit.
Ich kenne viele Koreaner, die Ginseng auf Teufel komm raus nicht ausstehen können. Allen voran ältere Koreaner sind aber von der Heilwirkung überzeugt. Meine Tante trinkt beispielsweise morgens immer eine kleine Flasche, weil dadurch (nach ihrer Aussage) sowohl die inneren Kräfte geweckt werden, sich das Hautbild verbessert und die Stimmung aufhellt.
Bewertung: 0 oder 4 von 5 Punkten.
Kein Ginseng-Freak? Finger weg! Für Personen aus der westlichen Hemisphäre aber ein (einmaliges) interessantes Erlebnis.
Update: Werbevideo zu Hanburi aus dem Hause CJ:
Kalte süße Milch mit einem Schuss Kaffee…
Zahlenspiele:
Das ist so ziemlich die ernüchternde Bilanz nachdem ich den Starbucks Kaffee getrunken hab. Für exakt 281ml brauner Milch mit Zucker 2500 Won (1,40 Euro) zu verlangen ist schon gewagt. Mal davon abgesehen, dass der Instant-Kaffee bei uns aus dem Yonsei-Uni-Automaten nicht wirklich schlecht schmeckt und ganze 250 Won (0,15 Euro) kostet. Geht man hingegen zu Starbucks und lässt sich dort eine Tasse Frappuccino geben, dann schlägt das gleich wieder mit 5000 Won (2,81 Euro) zu Buche.
Selbst mischen
Wer in Deutschland gerne eine Frappoccino trinken will, solls mal mit NESCAFÉ Frappé versuchen. 250ml Milch, dazu etwa gehäufte 4 Teelöffel Pulver… et voila der Starbucks Frappuccino in Reinform.
Ach ja, als einer der wenigen Produkte, kommt der Frappoccino in einer Glasflasche daher. Damit bleibt ihm und dem Besitzer der Zutritt zur Bibliothek verwehrt… den metallischen Geschmack von der Dosenkonkurrenz sucht man auch vergeblich.
Bewertung: 3 von 5 Punkten
Das allmorgendliche Kaffee-Statussymbol in den Sprachkurs hineinzutragen. Ich weiß nicht so recht… die anderen Büchsen-Kaffees kosten weniger als die Hälfte und schmecken fast gleich.
In Deutschland die Starbucks-Kaffeemacht noch nicht vollends angekommen. Oder habe ich in den Supermarkt-Regalen die Frappuccinos einfach übersehen?!
In der Reihe Saftschlacht macht mein aktueller Favorit den Anfang. Schon anhand der Verpackung kann man erahnen, dass dieses Getränk nicht zu den „typisch männlichen“ Nahrungsmitteln gehört. Kann man auch noch ein wenig koreanisch, dann erübrigt sich das Raten, was die koreanischen Schriftzeichen bedeuten: “Die Schöne mag den Granatapfel (Grenadine)”.
Kauft man in den kleinen Tante-Emma-Läden um die Ecke 석류, dann wird man vom üblicherweise älteren Verkaufspersonal schon mal schräg angeschaut. Der Granatapfel gilt in Korea als Symbol für Fruchtbarkeit und soll vor allem für schwangere Frauen besonders empfehlenswert sein. Laut Wikipedia ist die medizinische Wirkung wohl selbst in der westlichen Medizin nachgewiesen.
Der Saft riecht und schmeckt ein wenig nach Kirschen. Da ich mich an den typischen Granatapfelgeschmack leider nicht so recht erinnern mag, gehe ich mal davon aus, dass auch hier massiv mit künstlichen Aromen gearbeitet wird. Das mindert meines Erachtens nicht das Gaumenerlebnis. Einziges weiteres herausstechendes Merkmal neben dem Aroma ist die unglaubliche Süße. Im Prinzip könnte man auch einen Zuckerwürfel lutschen…
Bewertung: 4 von 5 Punkten.
Weniger Süße und das Getränk wäre perfekt…
Interessant ist übrigens auch die englische Beschreibung auf der Lotte Chilsung Homepage:
Feel pomegranate flavor
Iranian pomegranate concentrated juice and food fiber are included to make cool taste.
Make a gift to your girl friend with ‘this pomegranate juice’
Wer stand in Korea nicht schon mal vor den riesigen Kühlfächern und wusste nicht, was er trinken soll? Zwar gibt es die Standardprodukte wie Coke, Orangensaft, Wasser oder Kaffee aber daneben auch noch eine Fülle an koreanischen Getränken mit verlockenden Verpackungen. Ich versuche nun täglich je ein Getränk zu probieren und es hier vorzustellen. Manch ein Leser wird sich an SeoulPower erinnern.1
Der Vorrat in meinem Kühlschrank:
1. Ja, habe ganz dreist Stefans Idee geklaut. Aber nur weil er nicht weitergeschrieben und mein Lieblingsgetränk erwähnt hat ![]()
Also was gibt es bei mir morgens mittags und abends zu essen?! Das Frühstück lass ich meistens ausfallen, wie eigentlich in Deutschland auch. Muss ich aber trotzdem mal früh an die Uni, dann gibt?s Continental Breakfast. Das besteht zumeist aus einer Schüssel Cornflakes als Vorspeise, anschließend eine Scheibe Toast mit Marmelade und dann ein Teller mit Würstchen / Speck, Eiern, Reis und diversen anderen warmen Beilagen. Abgerundet wird das ganze dann noch mit Früchten. Ich wähle dabei meistens zwischen Äpfeln, Kiwi, Trauben, Melonen und Bananen aus. Dazu trinke ich gerne grünen Tee und ein Glas Fruchtsaft. Leider hat das Frühstück in letzter Zeit qualitativ stark abgenommen. Anfangs wurden wir noch durch leckere Honigmelonen und Scampi verwöhnt. Inzwischen ist es ?nur? noch englischer Speck und Trauben. Mich würde das ja nicht stören, wenn der Preis zeitgleich auch proportional gesenkt worden wäre… In der Ferienzeit zahlten wir nur 3500 Won (2,70 Euro) pro Essen, jetzt sind es 4500 Won (3,50 Euro). Verglichen mit dem anderen Essen, das man in der Nähe der Uni kaufen kann trotzdem noch teuer.
Da ich mittags immer ne Pause habe, kann ich mit einigen Freunden zum essen gehen. Bevorzugt gibt?s irgendwas günstiges, wie zum Beispiel Manduguk oder ähnliches. Das Konzept ist dabei fast immer gleich: In der Mitte des Tisches steht die Hauptspeise und außen herum einige kleine Tellerchen mit Beilagen. Ich fange mal mit den Beilagen an. Häufig sind das scharfe oder würzige Speisen wie zum Beispiel Kimchi. Kimchi existiert wohl in einigen 100 verschiedenen Sorten, von eingelegten Blättern, bis hin zum bekannten Chinakohl-Kimchi. Daneben viel eingelegtes Gemüse und andere Schälchen mit Soßen oder Gewürzen.
Zu meinen Lieblingsspeisen gehören Sangyeopsal, Galbi, Bulgogi, Kalguksu, ShabuShabu. Leider sind die allesamt nicht ganz so billig und ein ganzes ?Mittagsmenü? schlägt oft mit etwa 5000 – 7000 Won (4,00 – 5,50 Euro) zu Buche. Viel günstiger ist es, wenn man wie oben beschrieben Manduguk oder andere suppenähnliche Gerichte bestellt. Da isst man, wenn drei oder vier Freunde mitgehen, selten über 4000 Won (3 Euro). Ungewohnt, wenngleich nicht unangenehm: Es gibt immer kostenlos Wasser dazu und gelegentlich bekommt auch Sprite oder Cola kostenlos dazu. Die Rolle Toilettenpapier am Tisch sehe ich immer seltener, bis jetzt nur zweimal. Stattdessen stehen kleine Behälter am Tisch, in denen Servietten zum herausziehen drin sind.
Essen gehen zählt in Korea zu den wohl wichtigsten Gemeinschaftsveranstaltungen und es gilt generell als unhöflich, wenn man nach einem Treffen nicht zum gemeinsamen Essen erscheint. Da ich sowieso gerne gut esse, ist das ja kein Problem für mich
Abends geht’s entweder erneut mit einigen Leuten zum essen, oder ich besorge mir auf dem Weg einen Snack, wenn ich abends beschäftigt bin. Der beliebteste Snack ist Kimbap. Das ist in Seetang gerollter Reis mit Fleisch und Ei. Je nach Auswahl, kann man sich in den Reis noch weitere Sachen einrollen lassen (mein persönlicher Favorit ist Thunfisch). Andere Snacks sind Toast (Isaac – zwei Toasthälften, mit süßer Sauce und wahlweise belegt), Burger (ähnlich wie bei McDonalds, nur dass das Fleisch zehnmal besser schmeckt und viel mehr frischer Salat drauf kommt; die zwei Saucen schmecken auch besser und man wird satt) oder koreanisches FastFood. Der Preis dafür liegt bei etwa 1000 Won (0,80 Euro).
Anfangs hatte ich doch einige Probleme mit dem zum Teil sehr scharfen Essen. Aber mit der Zeit reagieren die Geschmacksnerven nicht mehr auf den Reiz und man stumpft natürlich ab. Das Schlüsselereignis war bei mir Bultag (scharfes Hähnchen). Das hat bei mir endgültig alle übrig gebliebenen Geschmacksnerven abgetötet, die mit scharfen Geschmack assoziiert waren
Ich möchte auf diesem Weg auch alle Vegetarier etwas vorwarnen. Wer strikt darauf achtet sich fleischlos zu ernähren kann enorme Schwierigkeiten haben. Die meisten, für Europäer, sehr schmackhaften Gerichte enthalten Fleisch und so was wie gedünstetes Gemüse als Hauptgericht findet man nur selten. Auf jeden Fall ist eine mit der koreanischen Esskultur vertraute Person sehr hilfreich. Noch besser, wenn der- oder diejenige fließend koreanisch spricht. Sonst würde ich die nicht ganz günstigen FoodCourts in den großen Kaufhäusern empfehlen. Andere Fälle: Allergien gegen Fisch und sonstiges Meeresgetier oder persönliche Abneigung gegenüber scharfen Speisen. Beides schließt einen nahezu automatisch von einem nicht ganz unbeträchtlichen Teil der landestypischen Küche aus. Wer aber mit Neugier und nur etwas Entdeckungswillen ausgestattet ist, kann sich in einer ganz neuen Welt bewegen.