Einstufungstest in Koreanisch
Nachdem nuku kurz über den Einstufungstest an der Yonsei berichtet hat, gebe ich kurz die Situation an der KU wieder:
Soweit ich mich erinnern kann, war am ersten Tag der Orientierungswoche der Korean Placement Test. Am Morgen wurden wir erstmal mit all den Formalitäten (Rede, Vorstellung) in großer Runde begrüßt. Im Anschluss ging es auf zur “Campus Tour” und folgend die “IT Session”. So gegen 5 Uhr versammelt man sich dann im International Studies Building um die Prüfung abzulegen. Wer keine Kenntnisse hat und in Beginner 1 wollte, durfte ein leeres Blatt abgeben. Alle anderen traten mehr oder weniger unvorbereitet an…
Ich hoffe mal, dass ich die koreanischen Grammatikstrukturen richtig benannt habe. Wenn ich etwas falsch sein sollte, dann bitte ich darum dies in den Kommentaren zu erwähnen.
Jeder Kurs baut auf den Vorhergehenden auf und zusätzlich sollte man die Vokabeln aus den Kursen “Colloquial Korean”, “Colloquial Korean Reading” oder “Colloquial Korean Writing” beherrschen.
Beginner 1: keine Kenntnisse im Koreanischen
Kursinhalt sind die Hangul Zeichen, die ersten zehn Lektionen des (aufs wesentliche reduzierten) Buchs 한국어회화 1. Grammatik: grundlegende Vokabeln / Grammatik: Die Höflichkeitsform ~아/어요, diverse Partikel wie ~도/만, Objekt-Postposition 을/를, Possesiv-Postposition 의, Satzkonjunktionen wie (하)~고, lokative / direktionale Postpositionen 에서/에/로, Verneinung mit 안, Vergangenheit ~았/었어요, Fragewörter, Zeitangaben, Subjektpostposition ~이/가, ㅂ니다/습니다 Höflichkeitsstufe…
Beginner 2: Mindestkenntnisse aus Beginner 1
Vertiefte Grammatik und zweiter Teil des 한국어회화 1 Buchs: Lektionen 11-20. Grammatik: Zahlen sowohl chinesisch als auch koreanisch, 는데요 als Höflichkeitsform, ~을래요, ~고싶다, ~지 마세요, ~을거예요 (Futur), Verb + 게, Verlaufsform, Bedingungssätze 면, “versuchen” 보다, ~기 싫다, Höflichkeitsform ~시~, ~면서, 밖에, Verneinung 지 않다, kausale und konsekutive Satzverbindungen wie 기 때문에 oder ~아/어서, 같다, Futurinfix ~겠~ und vieles mehr;
Intermediate 1: im Mittel etwa ein Jahr Koreanisch im Ausland gelernt
Hier wird man regelrecht mit Grammatik bombadiert; in der Regel werden innerhalb von 75 Minuten 2-3 verschiedene Grammatikformen besprochen und/oder wiederholt. Sämtliche Formen hier aufzuzählen spare ich mir mal; zugrunde gelegtes Buch ist 한국어회화 2, Lektionen 1 bis etwa 15. In den Sommer- bzw. Winterkursen werden die Lektionen 15-20 behandelt, so dass man im nächsten Semester mit Intermediate 2 anfangen kann. Außerdem nimmt in den Colloquial Kursen der Wortschatz fast exponentiell zu, so dass man wirklich täglich Vokabeln lernen muss.
Intermediate 2: im Mittel etwa zwei Jahre Koreanisch im Ausland gelernt;
Da ich die folgenden Kurse nicht belegt habe, kann ich dazu nicht viel sagen. Ich gehe aber davon aus, dass ab Intermediate 1 jeweils ein Buch pro Stufe verwendet wird – hier 한국어회화 3 für Intermediate 2.
Advanced 1 und Advanced 2: ausgehend von den Beobachtungen, wer denn solche Kurse besucht, sollte man mündlich wie auch schriftlich seinen Stil soweit gefestigt haben, dass man alle Punkte die man “rüberbringen” will auch flüssig formulieren kann. Zusätzlich werden die ersten Hanja ab Advanced 1 unterrichtet.
Hinweis: Wer an der KU darüber nachdenkt ernsthaft koreanisch zu lernen sollte mindestens das Level Intermediate 1 besuchen. Alles davor ist für ein Semester gesehen ziemliche Zeitverschwendung. Ohne ausreichende Koreanisch-Kenntnisse in das Intermediate Level zu wechseln ist übrigens genauso wenig ratsam. Mehr zu den Kursen selbst, in einem extra Post.
In den Hauptkursen wird hauptsächlich Grammatik beigebracht und ein wenig Wortschatz. Die Begleitkurse “Reading”, “Writing” und “Colloquial” dienen dem Wortschatzaufbau, wobei gelegentlich auch Grammatik gemacht wird. Die ersten beiden Kurse erklären sich von selbst, in Colloquial wird bunt gemixt: man darf Aufsätze schreiben, längere Texte lesen, Sprachübungen machen und Spiele spielen
Beginner 1:
- Korean Beginner 1
- Korean Colloquial Beginner 1
Beginner 2:
- Korean Beginner 2
- Korean Colloquial Beginner 2
Intermediate 1:
- Korean Intermediate 1
- Korean Writing Intermediate 1
- Korean Reading Intermediate 1
Intermediate 2:
- Korean Intermediate 2
- Korean Writing Intermediate 2
- Korean Reading Intermediate 2
Advanced 1:
- Korean Advanced 1
- Korean Writing Advanced 1
- Korean Reading Advanced 1
Advanced 2:
- Korean Advanced 2
- Korean Writing Advanced 2
- Korean Reading Advanced 2
Zuerst erhält man ein fast leeres Blatt, mit dem Hinweis einen Text (한글) zu schreiben in dem man sich selbst vorstellt (자기 소개). Für die Grundstufe wird dabei erwartet, dass man sich selbst vorstellt mit Alter, welche Uni man besucht, den Namen und Anzahl der Geschwister, Beruf von Mutter und Vater, usw. Je umfangreicher, desto besser. Wer gar keine oder nur sehr wenig Koreanisch schreiben kann, dem wird geraten soviel zu schreiben wie ihm/ihr möglich ist. Natürlich sollte man möglichst sein ganzes Wissen, vor allem im Hinblick auf Grammatikstrukturen, anwenden, denn nur so sehen die Prüfer was man kann (der schriftliche Test ist wohl ausschlaggebend in welchen “Hauptkurs” man kommt).
Nachdem man alles geschrieben hat was einem so einfällt (oder eben das Blatt voll ist), wird man zum Gespräch eingeladen. Das Gespräch dreht sich anfangs darum, was man in seinem Text geschrieben hat. Bekommt man gar kein Wort raus, so wird gefragt, wie viele Personen in der Familie sind. Alle folgenden Fragen hängen nun vom Level des Sprechers ab. Ich wurde über das Wetter und das Leben in meiner Heimatstadt befragt. Dabei sollte ich auf die Jahreszeiten eingehen und das Hobby, das ich in den jeweiligen Jahreszeiten ausübe. Ich hatte insgesamt das Gefühl, das mit einer Frage immer der mündliche Teil der jeweiligen Stufe gefragt wurde. Wenn das so ist, dann können auch folgende Themen besprochen werden: Bestellung in einem Restaurant, Telefongespräche, …
Zwei Tage nach dem Test kann man dann sein Ergebnis vor dem Intl. Office einsehen. Dabei ist das Level getrennt vom Grammatiklevel. Es kann also vorkommen, dass man Korean Reading Intermediate 2 besucht, aber nur Korean [Grammer] Intermediate 1.
Uni-Abschlussfeier
Vor einiger Zeit war die Absolventenverabschiedung an der Korea University. Es waren unglaublich viele Menschen anwesend und man konnte den Eltern der Schützlinge wirklich ansehen, wie Stolz sie waren, dass ihr Sohn oder ihre Tochter den Abschluss an einer Elite-Uni geschafft hat.
Für viele beginnt aber erst jetzt der wahre Kampf, denn durch den Nachhall der Asienkrise ist auch die Arbeitslosigkeit unter den Elite-Berufsanfängern gestiegen. Früher konnte man sich sicher sein, dass man nach dem Studium an der 연세 (Yonsei), 고대 (Godae) oder 서울대 (Seouldae) einen hoch angesehenen Job bekam. Hat man es auch noch in eine höhere Position bei den Top 30 Chaebols (Samsung, LG, Hyundai, Daewoo, usw) geschafft, war die Anstellung auf Lebenszeit eine “sichere” Sache. Der große Umbruch kam aber mit der IMF-Krise asiatischen Finanzkrise im Jahr 1997. Zum ersten Mal mussten koreanische Firmen restrukturieren, d.h. unrentable Sparten schließen, in großen Wellen Leute entlassen und ausländische Kapitalgeber in die Unternehmen lassen.
Wer dies nicht gemacht hat, wurde entweder aufgekauft (und zerschlagen oder zwangsverkleinert), durch diverse Gesetzesregelungen (maßgeblich: kein Cross-Shareholding, Verbot von “debt-guaratees”, Verbot des Besitzes von Kapitalmarktinstitutionen, insb. Banken) dazu gezwungen oder ist einfach vom Markt verschwunden. Spektakulär ist natürlich der Niedergang des Daewoo Konzerns, aber gut die Hälfte der anderen 30 Chaebols ist nicht mehr (in ihrer ursprünglichen Form) existent.
Der wesentliche Aspekt für Hochschulabgänger ist aber, dass ihr Job auch künftig nicht mehr sicher ist. Kein Unternehmen garantiert mehr für den Job, vor allem angesichts der Menge an zum Teil sehr gut ausgebildeten Leuten, die gerne eine gut bezahlte Arbeit finden möchten. Die Folge ist der Wunsch vieler junger Leute, beim Staat unterzukommen. Das Angebot einer Verbeamtung auf Lebenszeit lockt und damit auch Jobsicherheit. Allein die Anzahl der Abgänger, die Aufnahmeprüfungen für den öffentlichen Dienst machen ist letzten Jahren dramatisch in die Höhe geschnellt.
Blumenpracht – sämtliche Zufahrtswege zur KU waren von Blumenverkäufern in Beschlag genommen
Mehr Blumenhändler und Festtagsschmuck an der KU – Banner an jeder Ecke…
Die Studienabgänger mit Masterabschluss
An dem Tag überstieg die Digitalkamera-Dichte so ziemlich alles, was in Deutschland vorstellbar wäre. Vor allem die 5k € Serien von Canon / Nikon und Mittelformatkameras von Hasselblad und Mamiya waren überall – kurz, ich hatte das Gefühl, dass alle Seouler Fotografen nach Anam gekommen sind. Die Fotografen waren meist auch pefekt ausgerüstet: eine analoge Kamera und dazu meist noch eine Digitalkamera, Stativ und riesiege Schilder mit Beispielfotos.
Es war übrigens für Mitte Februar ein vergleichsweise kalter Tag… deshalb wurden an neben den Stuhlreihen große Heizlüfter aufgestellt. Außerdem waren auf dem Gelände noch jede Menge kleiner Essenstände.
Der eigentlich Grund warum ich gekommen bin, Surans Abschlussfeier
Mein Lieblingsbild: Der Luftballonverkäufer hat sich einfach mitten auf die Straße gelegt und ist eingeschlafen. Das Auto hinter fuhr gerade den Berg hinunter.
Weiter Bilder gibts in der Bildergalerie…
Kälte & Röcke [Minirock im Winter]
Dieses Bild scheint auf den ersten Blick ganz normal zu sein. Aber betrachtet man die Umstände genauer stellt man fest, dass es eiskalt war, während ich dieses Bild aufgenommen habe. Genau gesagt hatte es etwa minus 3° C – dazu wehte ein ziemlich ekliger Wind. Sind Koreanerinnen also kälteresistent oder nur zu ?fashionable? um den ganzen Winter in Hosen herumzulaufen? Ich vermute mal ersteres
Update: Die heutigen Temperaturen lagen bei gut minus 4 Grad am morgen und der Wind wehte noch heftiger… Trotzdem hätte ich nahezu das gleiche Foto nochmal machen können. Es war also keine Ausnahme, wie man mir auch von anderer Stelle bestätigt hat.
Uni, Teil 2
Kurz noch was zu meinen Vorlesungen: Unter anderem auch deshalb, weil ich nicht zwingend Noten in Deutschland einbringen muss, habe ich mich dazu entschieden aus der kompletten Bandbreite der Fächer auszuwählen. Wenn man gutes Koreanisch vorweisen kann, darf man auch in die koreanischen Kurse. Sonst bleibt man in den Englischen. Das Kursangebot reicht von “School of Engineering” bis hin zur Medical School”. Man ist dabei nicht auf die “Undergraduate”-Auswahl festgenagelt, sondern darf auch in die “Gradutate”-Kurse. Leider ist dort aber die Auswahl an englischsprachigen Fächern nur sehr limitiert. Meine Vorlesungen sind deshalb in diesem Semester alle aus dem UG-Bereich.
Kurze Anmerkung vielleicht noch: mich beschleicht manchmal das Gefühl, dass Marketing im Grundstudium allgemein nur das Verzapfen von Binsenweisheiten ist… [Ironie?!
]
Es ist spannend, wie der Professor versucht einige Konzepte auf das eigene, private Leben zu richten. Hat bisschen was von diesen Persönlichkeitsseminaren, wenn man anstatt eines “corporate vision statements” ein persönliches “vision statemant” entwerfen muss. Ist zwar auch nicht ganz so neu, war aber doch mal ne gute Abwechslung, die Ziele der koreanischen Kommilitonen zu hören. Insgesamt muss man für diesen Kurs doch ziemlich viel leisten und als regelmäßiger Leser des Rekiss.de Forums mache ich mir da doch Sorgen, wenn sich so manche Studenten über den Anspruch von Professor Dowling mokieren. Es ist zwar ein anderer Ansatz, aber in meinen Augen, viel versprechender als bisherige Art mit “echten” Vorlesungen und Übungen…
Stundenplan

Ich weiß es hat ziemlich lange gedauert, bis hier mal wieder was Neues steht… dafür kommt es aber auch gleich mit einem Schwung anderer Nachrichten. Zuerst etwas zu meinem normalen Tagesablauf, nachdem etwas Ruhe in mein Leben eingekehrt ist. Montag und Dienstag sind meine beiden Tage, an denen ich immer ziemlich geschafft aus der Uni komme. Auch wenn der Montagvormittag meist damit verbracht wird an der CJ i-House Rezeption zu lernen, muss ich am Nachmittag doch beide Koreanisch Kurse hinter mich bringen. Der erste ist eigentlich immer ziemlich lustig und Langeweile kommt nur selten auf. Dafür ist aber der zweite Kurs um den Faktor 100 anstrengender weil unlustiger. Man kann das auf mehrere Faktoren zurückführen: Die Stimme der Lehrerin tendiert dazu ziemlich nervig zu sein, die Kursinhalte wiederholen sich mit meinem ersten Koreanischkurs davor und die Schüler sind entweder hoffnungslos übermotiviert oder genervt von den übermotivierten Chinesen. Da ich entweder die meisten Vokabeln schon kenne und die Übungen häufig in einem Chaos enden, falle ich regelmäßig in einen tiefen Schlaf mit halb geöffneten Augen, in der Hoffung dass irgendetwas Lustiges passiert. Ich würde ja mehr machen, wenn ich gefordert wäre, aber das ist nicht der Fall und selbst ohne Vorbereitung schaffe ich 98 von 100 möglichen Punkten…
Zurück zu meinem ersten Koreanischkurs, in dem kein “Westlicher” sitzt. Von den etwa 20 Studenten sind 16 Chinesen, 2 Japanerinnen, ich und Lim (mein Banknachbar und Amerikaner, aber mit kambodschanischen Wurzeln) Die Chinesen lernen wie verrückt und haben zumeist schon ziemlich weit reichende Kenntnisse im Koreanischen. Die Lehrerin ist super nett und der Unterricht macht auch ziemlich viel Spaß obwohl ich nahezu alles schon kenne. Ich sehe das eher als Wiederholungsstunde an, in der ich mein schwaches Koreanischfundament nochmals fester zementieren kann. Ich glaube es macht einfach Lust auf mehr, weil die Stimmung innerhalb der Klasse ziemlich gut ist. Hoffentlich bleibt das auch im nächsten Semester so…
Verglichen mit dem, was wir so lernen, ist das Training an der Yonsei wesentlich intensiver… in manchen Stunden lernen wir geschlagene 75 Minuten lang, wie die verschiedenen Auslaute (ㅇ, ㄴ, ㅁ) zu unterscheiden sind. Anderntags wird ausgiebig das Gelernte wiederholt und mit neuem Grammatikstoff versetzt. Das ist zwar nicht schlecht, aber ich wünsche mir, dass es doch nen Tick schneller von statten geht. 75 Minuten Aussprache von Auslauten war dann doch etwas zuviel des Guten… fanden auch einige der lerngierigen Chinesen.
Ach ja, ich hab da noch andere Kurse, zum Beispiel: Advertising Management in “Englisch für Anfänger 1A”. Der Kurs ist glaub ich sogar unter dem Niveau von dem was man in der Grundstudiumsvorlesung Marketing in Regensburg geboten bekommt. Der Kursinhalt ist eine Powerpoint-Orgie, und ähnelt in weiten Teilen einer Präsentation von Statistiken, Unternehmenswebsites und wild zusammen geschachtelten Konzeptideen. Mich wundert es, dass die koreanischen Studenten noch nicht über dieses Fach meckern. Wahrscheinlich weil die Noten “einfach” zu ergattern sind. Einzig das Buch ist einigermaßen lesenswert und erinnerte mich stark an eine ausgebaute Version unseres Marketingskripts in Regensburg.
Anders das Fach Strategic Management. Hier wird man doch etwas mehr gefordert und gefördert. Der Professor hat langjährige Unterrichtspraxis in den USA gesammelt und entsprechend ist auch sein sprachliches Niveau. Wesentliche Unterschiede zu meiner deutschen Uni: Wir sind hier oft in Vorlesungen mit maximal 50 Teilnehmern. In meinen Kursen bewegt sich der Schnitt um die 30 Studenten. Meist sitzt neben dem Prof noch ein Assistent in der Vorlesung. Das Ganze ist weniger eine Vorlesung und mehr eine Unterrichtsstunde in einer gymnasialen Oberstufe. Es wird Anwesendheit gecheckt und wer mehr als 4-mal fehlt, darf sich über ein F in seinem Abschlusspaper freuen. Ach ja, zweimaliges Zuspätkommen wird als einmal gefehlt vermerkt. Es wird stark empfohlen die Bücher zu lesen in Strategy gibt es sogar einen fixen Plan was bis wann gelesen sein muss. Über den Inhalt werden dann auch unangesagt bewertete Quizzes geschrieben. Zusätzlich darf man zwei von vier Fallstudien mit einseitigen Berichten abhandeln und zum Schluss noch ein Buch lesen und zwei kurze “Reviews” schreiben. Die Beteilingung am Unterricht wird ganz nebenbei auch bewertet. In der Stunde wird meist diskutiert über den Buchinhalt oder die Fallstudien – man kennt ja den Inhalt des Buchs schon…
So aus Lust und Laune habe ich mich noch nen Junior / Senior Kurs aus der Life-Science-Fakultät herausgesucht. Ich wollte einfach mal auch was anderes angucken und der Kurs hat mir von der ersten Stunde an gefallen auch wenn der Arbeitsaufwand im Vergleich zu Strategic Managment quasi verdoppelt oder verdreifacht wurde. Zum einen durfte ich schnell nochmal die Grundlagen aus der Kollegstufen-Biologie in Sachen Genetik wiederholen und auch einen Einblick in Zellbiologie erhaschen. Zudem sollte man mit Biochemie nicht gerade auf Kriegsfuss stehen. Nun ja, das Englisch der Professorin ist außerordentlich gut und auch die Inhalte sind ziemlich interessant. Wer den Arbeitsaufwand nicht scheut: Der Kurs hats in sich! Man lernt unglaublich viel in kurzer Zeit und versteht später auch, wieso nun der Köper, speziell der Kopf so tickt und nicht anders ![]()
[Edit: Der Kurs war für alle Studenten gedacht, die von dem Thema zum ersten Mal was hören. Entsprechend sanft war der Einstieg, aber dann ging es sehr steil bergauf...]
KUBA & Betreuung
Ich möchte an dieser Stelle ganz besonders Jin & Jiye (KUBA) sowie Jeff (Intl. Office) und all den anderen danken, die eine wirklich solide Betreuung für uns arrangiert haben.
Am Montag dem ersten Tag, wurden wir um Punkt 10 Uhr in das zentrale Auditorium der International Studies Hall geladen. Der Raum entspricht den Ausmaßen, die wir ungefähr im H16 (300 Leute +/- 50 Personen) haben. Natürlich auch alle tiptop neu und wunderbar ausgestattet. Vor der Tür wurden wir anhand von Namenslisten in etwa 10 Gruppen zu je 8 Personen aufgeteilt. Jeder erhielt nochmal eine Mappe mit den grundlegenden Infos zur Uni. Anschließend wurden wir unseren Group-Leadern vorgestellt. Es gab ne zentrale Powerpoint Präsentation mit den wichtigsten Fakten über KU und die Programmplanung für die nächsten Tage. Diese umfasste neben einen Ausflug nach Seoul, die Registrierung zur KU-ID Card, Campus-Tour, KU Computer System Intro, Party, Class Registration, usw.
Der wirkliche Hammer ist aber das KUBA Programm, KUBA steht für KU Buddy Assistance, kurz man bekommt eigenen KU Studenten zur Seite gestellt, der einem bei allem möglichen hilft. Angefangen bei der Suche nach einer Bank, beim Kauf eines Handys. Außerdem sollen die Buddys mit ihren Austauschstudenten zum feiern, zum Mittagessen, usw weiter gehen. Die Leute, die bei KUBA mitmachen sprechen alle gutes Englisch oder eben die Muttersprache (Deutsch, Japanisch, Chinesisch, …) Anscheinend ist es auch gar nicht so einfach Buddy zu werden, weil man durch mehrere Auswahlschritte durch muss. Sollte mal was nicht klappen darf man aber jeden Buddy fragen und bisher haben alle so gut geholfen, wie sie konnten! Irgendwie muss man sich bei dieser (Über-)Betreuung schon schlecht fühlen, wenn man sieht, dass die koreanische KU Studenten in Deutschland nicht mal annähernd soviel Hilfe bekommen haben…
Korea University (KU) & i-House (iH)
Hammer! Eigentlich gibt es kein Wort, was wirklich die Situation an der KU beschreiben könnte. Warum? Man könnte stundenlang erzählen was diese Universität wirklich ausmacht, aber ich fange mal bei den weniger spektakulären Fakten an. Die Uni ist in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden und zählt somit zu einer der traditionsreichsten Unis Südkoreas. Der Campus hat in etwa die dreifache Größe des Regensburger Campus und man braucht zu Fuß gute 40 Minuten von einem Ende zum anderen. Damit man diese Strecken auch einigermaßen schnell zurücklegen kann, gibt es
a) einen kostenlosen Shuttlebus-Service der im 10 Minutentakt fährt und
b) kann man mit der U-Bahn vom Science-Campus (Anam Station) zur Korea University Station fahren.
Wir sind hier etwa 200 Austauschstudenten, die zwischen einem und zwei Semestern in Korea bleiben wollen. Die Studenten, die über das KUSEP (KU Student Exchange Programm) nach Korea gekommen sind müssen keine Studiengebühren in Höhe von ca. 3000 Euro im Semester abdrücken. Das einzige wofür wir zahlen ist die Unterkunft und das alltägliche Leben (Essen, Trinken, etc). Die Korea University ist eine private Universität und inzwischen ähnlich organisiert, wie die großen US-Unis.
Die Uni an sich glänzt wie eine Firmenzentrale. Sämtliche älteren Gebäude sehen in etwa so aus, wie alte schottische Burgen,
bloß als ob sie gerade eben neu gebaut worden wären. Die neuen Gebäude versuchen sich an dem Stil zu orientieren, sind aber wesentlich eleganter in der Fassade und innen sehr modern ausgestattet. Die Aussenanlagen entsprechen etwa dem, was wir in einem super gepflegten englischen Garten erwarten würden. Auf ideale Länge gestutzter Rasen, der wohl täglich gedüngt und
gegossen wird; sogar zwei in der Farbe unterschiedliche Graßsorten wurden eingesetzt um vertikale Streifenmuster in etwa ein Meter breitem Abstand zu erzeugen. Zentral ist ein kleiner Brunnen und ein Wasserspiel, darum herum gruppieren sich Bäume mit Sitzgelegenheiten. Man kommt sich bisschen wie im Privatgarten eines Millionärs vor. Die Wege sind entweder frisch geteert oder aus exakt quadratischen Steinbodenplatten. Geht man weiter in die Gebäude hinein, jetzt mal speziel das unterirdische Lern- und Shoppingzentrum, dann glänzt alles aus Stahl, Glas, Holz und poliertem Stein. Es gibt einen Fastfoodladen, ein Supermarkt, einen Schreibwarenladen und diverse große Bib-ähnliche Räume, wo man elektronisch seinen Platz reservieren kann.
Geht man weiter in das LG-Posco Building, dass die KUBS (KU Business School) beherbergt, wird man durch noch tollere Innenausstattung verwöhnt. Überall gläserne Aufzüge oder Rolltreppen. In irgendeiner Form sportlich betätigen muss man sich also nicht. Die Klassenzimmer – ich nenne sie absichtlich so – sind schon allein wegen ihrer Größe keine “Hörsäle”. Die Aufteilung ist in etwa überall ähnlich. Ungefähr 30-50 Sitzplätze, alle mit ziemlich bequemen Stühlen ausgestattet.
Na ja, ich glaub ein Bild sagt hier mehr als 1000 Worte.
Nun, wer hat das denn alles finanziert? Die KU ist sehr stark darin Spenden einzutreiben und die beiden großen Firmen LG (Elektronik, Mischkonzern) und POSCO (Stahlverarbeitung) haben für dieses Gebäude jeweils 20 Millionen USD gespendet – wenn ich das nicht falsch verstanden habe. Der Rest kam aus Mitteln, die Privatpersonen, Professoren(!) und andere Unternehmen zur Verfügung gestellt haben. Einen kleinen Rest trug dann die Uni selbst.
Ähnlich finanziert ist auch das internationale Wohnheim. Kurz CJ i-House genannt. CJ ist ein sehr bekannter Nahrungsmittelhersteller (ähnlich wie bspw. Nestle oder Danone nur sehr viel kleiner) in Korea.
Das Wohnheim wurde erst zum Sommersemester eröffnet und ist folglich noch nicht voll ausgelastet. Insgesamt ist es in zwei Teile getrennt: Ein Teil für Studenten, einer für Professoren. Die Eingangshalle darf man durchaus protzig nennen, für ein Studentenwohnheim. Naja, eigentlich ist es mehr ein Hotel. Es gibt eine 24/7 besetzte Rezeption. Es gibt eine Cafeteria mit “Continental Breakfast” (zumindest, was sich Koreaner darunter vorstellen), ein Fitnessstudio (vollausgestattet, mit allen Feinheiten und die neuesten Geräte), zwei Musikzimmer, eines mit Klavier, einen Waschraum mit Industrietrocknern und Waschmaschinen, ein TV-Zimmer mit DVD und Dolby 5.1 Surround Sound Anlage samt X-Large Plasma Fernseher.
Um in die Zimmer zu gelangen wurden zwei Aufzüge eingebaut und in jedem Stockwerk befinden sich Konferenzzimmer, die man zum Lernen benützen kann. Die Zimmer selbst kann man sich nach belieben aussuchen. Entweder Einzelzimmer in Double, Triple oder Quad Rooms oder Doppelzimmer in Triple oder Quad Rooms. Doppelzimmer heißt dabei, dass man einen netten Zimmergenossen hat, der im gleichen Zimmer auch sein Bett stehen hat. Die Zimmer haben eine eigene Dusche, ein eigenes WC und sind relativ groß geraten. Die Einzelzimmer hingegen sind wesentlich kleiner als z.B. mein Regensburger Zimmer im Gesslerheim. Zu den KU Fotos. Zu den i-House Fotos
The Sky
Eine kurze Anmerkung zu den Top-Unis in Korea. The Sky steht umgangssprachlich für die drei Elite-Universitäten des Landes: Seoul University, Yonsei University, Korea University.
Nach dem Ende der High School, gibt es einen separaten Eignungstest für den Eintritt in die Universität. Diese Prüfung ist eigentlich die entscheidende Weiche für das gesamte kommende Leben eines Koreaners. Die bisher erbrachten schulischen Leistungen zählen hingegen relativ wenig, wenn man auf eine Top-Uni will. Das soll aber nun nicht heißen, dass koreanische Schüler in der Schule nichts tun – ganz im Gegenteil: Da eben diese eine Prüfung entscheidend ist, schicken viele koreanische Eltern ihre Kinder auf sündhaft teure Nachhilfeschulen (학원 ausgesprochen: Hagwon). Der Tagesablauf eines Oberstufenschülers: Schule ab 7 oder 8 Uhr, bis etwa 15-17 Uhr; anschließend, wenn möglich, kurz nach Hause, dann in die Nachhilfeschule und dann noch fleißig bis tief in die Nacht hinein lernen. Was wir in Deutschland als freien Nachmittag haben, existiert in Südkorea eigentlich überhaupt nicht.
Dieser Test findet nur einmal jährlich statt und an dem Tag dürfen fast alle Angestellten / Arbeiter eine Stunde später zur Arbeit erscheinen. So soll verhindert werden, dass Studenten durch den allmorgendlichen Verkehrsstau zu spät kommen. Das prickelnde ist, dass hierbei am gleichen Tag nicht nur eine Teildisziplin abgefragt wird, sondern alle möglichen: Angefangen bei Mathematik bis hin zu Englisch. Stellt euch einfach mal vor, sämtliche Abiprüfungen würden an nur einem Tag stattfinden. Spannend, oder
Hat man nun bei dieser Prüfung, bei der es etwa 400 Punkte gibt mindestens 380 oder mehr, darf man auf die Ultra-Elite-Unis (KAIST, Seoul University) liegt man darunter, aber trotzdem noch über 350, darf man die Super-Elite-Unis (Korea & Yonsei University). Nun, diese Zahlen sind vorsichtig geschätzt, da ich die exakten Werte nicht kenne, aber es dürfte gut an die Realität rankommen. Wer nun unter 350 Punkte hat, hat “verloren”. Es gibt auch andere Unis, aber die Selbstmordrate unter den Schülern, die nicht den Eintritt in ihre gewünschte Uni geschafft haben liegt für westliche Maßstäbe extraorbitant hoch… Eine weiterer Faktor ist die sehr hohe Erwartungshaltung der Eltern, die im Schnitt 20% des Familieneinkommens in die Ausbildung der Kinder stecken. Folglich steigt der Druck und auch die Gesellschaft legt sehr viel Wert auf eine gute Ausbildung (umfasst auch musikalische Bildung, die nochmals erheblich teurer ist). Zum Vergleich: das deutsche Durchschnittsmonatseinkommen liegt bei netto 2000 Euro, davon wandern dann einfach mal 400 Euro in die Schulausbildung. Da sieht man erst mal die unterschiedliche Wertschätzung von Bildung zwischen “West” und “Ost”.
Die Begriffe Alter, Ehre und öffentliches Ansehen sind in Korea sehr stark verwurzelt und haben auch untereinander eine enge Bindung. Wer auf eine Top-Uni geht, ist in der Gesellschaft automatisch angesehen und darf sich höhergestellt fühlen. Ältere Personen stehen in der sozialen Hierarchie über der eigenen Person. Dies äußert sich durch veränderte Grammatikstrukturen bei der Anrede, beim normalen Sprechen und bei diversen Handlungen des alltäglichen Lebens. Professoren (교수님 ausgesprochen: Gyosunim) und Lehrer (선생님 ausgesprochen: Sonsengnim) muss man mit äußerstem Respekt behandeln und Eltern würden es nur in ganz seltenen Fällen wagen dem Lehrer zu sagen, dass er etwas falsch gemacht hat. Die Situation in Deutschland ist bekanntlich anders. Da wird den Lehrern von Unfähigkeit bis hin zum “faulen Sack” alles vorgeworfen. In Südkorea absolut undenkbar.